Beiträge

Naturschutz auf Sylt, Folge 1: Sylter Landschaft- schön und sensibel

In einer Serie stellt die Naturschutzgemeinschaft Sylt und die Söl’ring Foriining das Thema „Natur auf Sylt“ in seiner ganzen Bandbreite in der Sylter Rundschau dar. Erschienene Artikel werden auf natuerlichsylt.net veröffentlicht und archiviert. Es werden Institutionen und Vereine vorgestellt und auch  Menschen, die sich für die Sylter Natur einsetzen.

In der ersten Folge gibt Franz Brambrink von der Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland einen Überblick über die Inselnatur und ihren Schutz.

 

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental bei Rantum

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental bei Rantum

Die Sylter Natur zeichnet sich in Flora und Fauna durch ein riesiges Potenzial besonderer, seltener und zu schützender Arten aus, von den Dünen und der Heide bis hin zu feuchten Marschen und deren artenreichem Grünland. Das Landschaftsbild ist vielerorts auf der Insel von herausragender Qualität. Um diese Vielfalt und Besonderheit zu erhalten, steht deutlich mehr als die Hälfte der Inselfläche unter einem Schutzstatus als Natura-2000-Gebiet, Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet oder als gesetzlich geschütztes Biotop.

Ziel ist es, sowohl die Natur als auch ihr Erholungspotenzial für den Menschen zu Downloadbewahren. So wird Paragraph 1, Absatz 1 Bundesnaturschutzgesetz erfüllt. Er lautet:

„(1) Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich nach Maßgabe der nachfolgenden Absätze so zu schützen, dass

1. die biologische Vielfalt,

2. die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie

3. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung und, soweit erforderlich, die Wiederherstellung von Natur und Landschaft (allgemeiner Grundsatz).“

Die Sylter Landschaft stellt selbst ein touristisches Highlight dar, ist jedoch hochsensibel. Deshalb ist jede bauliche oder touristische Entwicklung auf Sylt zwingend immer besonders auf ihre Naturverträglichkeit zu prüfen. Wichtige Meilensteine sind in diesem Zusammenhang das federführend vom Landschaftszweckverband (LZV) durchgeführte Wegekonzept (Besucherlenkung), das zwischen den Kommunen abgestimmte Strandversorgungskonzept und nicht zuletzt das Reitwegekonzept.

Die Aufgabe des aktiven Naturschutzes vor Ort, also der Pflege und Entwicklung von Flächen, übernehmen neben unserer Arbeit als untere Naturschutzbehörde (UNB) der auch unter anderem zu diesem Zweck gebildete LZV Sylt und die sehr professionell tätigen Naturschutz-Organisationen der Insel, wie die Naturschutzgemeinschaft Sylt, der Söl’ring Foriining, die Schutzstation Wattenmeer und der Verein Jordsand. Diese Zusammenarbeit ist ein Grundgerüst für den Erhalt der Inselnatur.

Erhebliche Maßnahmen konnten erfolgreich durchgeführt werden, und es ist zu betonen, dass Erhebliches auch noch vor uns liegt. Beispielhaft sind hier die Offenhaltung der Heiden, Dünen und Trockenrasenlebensräume oder die Bedeutung der Marsch als Wiesenvogellebensraum weiter anzuheben. Auf dem Sektor des Artenschutzes besteht derzeit ein wichtiger Baustein im kreisweiten Amphibienprojekt der Stiftung Naturschutz.

Selbstverständlich wecken die beschriebenen Schönheiten und der natürliche Reichtum der Insel auch zahlreiche Begehrlichkeiten. Investitionen in die touristische Infrastruktur sowie bauliche Entwicklungen gehören zur stetigen Diskussion. Zu den gesetzlich verankerten Aufgaben des Landrates als unterer Naturschutzbehörde gehört die Prüfung der Verträglichkeit solcher Maßnahmen mit dem Schutz der Natur.

Gerade bei baulichen Entwicklungen sind die landesplanerischen Zielsetzungen für Sylt eine zu beachtende Größe. Diese bestimmen den zulässigen Rahmen der weiteren Flächeninanspruchnahme auf der Insel, sowohl für den zwingend notwendigen Wohnungsbau, als auch für gewerbliche und touristische Projekte und Planungen.

Auch beim Küstenschutz ist auf ein möglichst naturverträgliches Vorgehen zu achten. Zwischen dem zuständigen Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, dem LZV, dem Kreis und den Naturschutzverbänden hat sich ein auch außerhalb der gesetzlichen Regelungen kooperatives Abstimmungsprozedere eingespielt.

Franz Brambrink/ Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland

 

Tourismusstrategie Sylt: Das „Spiel mit der Schwarzen“ ist gefährlich!

„In unserer Tourismusstrategie spielen wir quasi über `Bande´ „, dieses Bild aus dem Billard

Mit Autos auf Sylt protzen-einfach nicht mehr zeitgemäss, aber leider noch weit verbreitet!

Autowerbung mit „grossen Marken“ und Natürlich-Sylt Image: Die Tourismus-Strategen der Insel setzen auf zu unterschiedliche „Pferde“ gleichzeitig. Das Spiel könnte nach Hinten losgehen.

Nasybenutzte Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing Agentur, vor Kurzem im Gespräch mit Vertretern der Insel Ameland, die sich über die „Marke Sylt“ informieren wollten.

Gemeint ist meines Erachtens damit, daß die Nähe zu anderen großen Marken, Prunk und Prominenz strategisch gesucht wird, um die eigene „Marke Sylt“ damit aufzuwerten. Eigentliches Ziel der Werbung ist aber nicht die relativ kleine Gruppe der sogenannten „Schönen und Reichen“, sondern eine breitere Masse, die von jenen fasziniert ist und sich vom Prommi-Glimmer der Insel angezogen fühlen soll. Die Stellungnahme der SMG zum heutigen Artikel der SR über die „Auto-Werbeplattform-Sylt“ zeigt, wie die SMG mit dieser Strategie kokettiert, statt einmal klar „Nein“ zu umweltbelastenden Aktivitäten zu sagen. Immerhin fügt Frau Vielberg von der SMG in dem Artikel hinzu: „Schwierig wird es dann, wenn es nur noch um PS-Protzerei geht und ein ganzes Dorf Gefahr läuft, als Autohaus wahrgenommen zu werden und die eigentlichen Werte der Insel verpuffen.“ So sieht es offenbar auch Kampens Bürgermeisterin Steffi Böhm. Dennoch sind zur Zeit auf der Insel zahlreiche Automarken mit ihren PR-Veranstaltungen und Probefahrtangeboten an unterschiedlichen Stellen  unterwegs.

Dahinter dürfte die Sehnsucht nach dem Glanz der 1960iger Jahre stehen, wo tatsächlich eine führende Prominenz und Schickeria aus Politik, Literatur, Funk und Fernsehen wochenlang auf der Insel Urlaub machte, weil sie die legere Atmosphäre und die Natur so liebte. Das ist lange vorbei. Insofern hat der Versuch, diese alte Zeit heute mit teuren Autos   und anderem Klunker wiederzubeleben immer etwas von einer hohlen, verlogenen Ersatzbefriedigung.

Statt das Spiel auf die „schwarze Billardkugel“ von Abgasschleudern, Make-up Mädels, Harleybrummern und Pseudoprominenz zu setzen, täten die Sylter Tourismusdirektoren und Gemeinden gut daran, den eigentlichen Werten von Sylt voll zu vertrauen: Natur, Landschaft, Luft, Klarheit und Qualität sind Attribute, die der Marke Sylt besser zu Gesicht stünden. Das „Spiel mit der Schwarzen ist gefährlich“ lautet eine Regel beim Billard.Fällt die schwarze Kugel durch, ist sofort das ganze Spiel verloren.

Grundsätzlich sollte in das zu erarbeitenden Leitbild der Sylter Tourismuswerbung das Thema „Syltverträglichkeit“ eingebracht werden.
Aktivitäten und Werbemassnahmen, die dem Landschaftsbild, der Gesundheit und dem Umwelt-und Naturschutz widersprechen sollten aus dem Portfolio von SMG und den Inseltourismusservices ebenso gestrichen werden, wie aus dem genehmigungsfähigen Katalog der Gemeinden.
Lothar Koch

Kehr -aus gegen Plastik im NSG Nord-Sylt

EllenbogenTeam_Horst

 Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet Sylt Nord auf dem Lister Ellenbogen am nächsten Samstag 21. Januar 2017 von 10:00 – 13:00 Uhr 

Wie auch schon letztes Jahr möchten die Sylter Werkstätten gemeinsam mit der Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V. und der Gemeinde List im Rahmen des Projektes „Heimatliebe Sylt – Plastikinsel nein Danke“ das neue Jahr 2017 mit einer Reinigungsaktion im Naturschutzgebiet auf dem Ellenbogen starten. Bereits am 16.01.2016 kamen circa 60 Aktive zusammen, die in nur drei Stunden eine 10m^3 Mulde füllten – ein trauriger Erfolg. Nach den beiden Hochwasserständen Ende letzten Jahres gehen wir davon aus, dass die Nordsee uns auch dieses Mal wieder einige Überraschungen angeschwemmt hat.

Am Samstag den 21. Januar starten wir um 10 Uhr vom Parkplatz der Kitesurfer/Übergang 10 ins Naturschutzgebiet. Müllsäcke, Greifzangen und Handschuhe werden gestellt. Gerne können auch eigene Handschuhe und ein Spaten mitgebracht werden. Nach getaner Arbeit um 13 Uhr gibt es noch Suppe und etwas Warmes zu trinken. Dazu bitte Suppenteller, Löffel und Tasse mitbringen; wir wollen auch hier keinen weiteren Müll in Form von Plastikgefäßen und Pappbechern produzieren!

Das Betreuungsgebiet der Söl’ring Foriining besticht durch zahlreiche Besonderheiten. Es ist ein Sandhaken, der sich in ständiger Veränderung befindet und Wind und Wellen ausgesetzt ist. Seine Wildheit und Ursprünglichkeit ist Heimat für seltene Pflanzen- und Tierarten, die teilweise nur noch dort vorkommen und dadurch besonders schützenswert sind. Gerade deshalb hoffen wir auf eine rege Teilnahme. Durch andauernde Sturmphasen in den Herbst- und Wintermonaten kommt es immer wieder zu hohen Wasserständen. Die Nordsee mäandriert dann tief in die Dünenlandschaft hinein, bis das Wasser schließlich zur Ruhe kommt. So wird auch alles Mitgebrachte aus der Nordsee an ungewöhnlichen Stellen abgelagert. Leider findet sich neben Algen, Pflanzenresten und Holzstücken auch viel anthropogener Müll. Gerade Plastik stellt eine große Gefahr für die Umwelt dar. Es zersetzt sich nicht, sondern wird in den Meeren nur immer und immer kleiner. Fische nehmen Mikroplastik über ihre Nahrung auf und somit gelangt es auch wieder in den Nahrungskreislauf des Menschen. Um solchen Vorgängen entgegenzuwirken, hoffen wir auf viele Freiwillige, die uns helfen den Ellenbogen, eine einzigartige Naturlandschaft auf unserer Heimatinsel Sylt, von Unrat zu befreien.

Um Fahrgemeinschaften zu bilden, können sich Teilnehmer um 9:15 Uhr auf dem Parkplatz der Sylter Werkstätten treffen. Sollte das Wetter am 21. Januar nicht mitspielen, Monia und Hauke beim Müllsammelnschaut bitte bis 9 Uhr auf unserer Facebookseite nach, ob die Aktion stattfindet oder nicht. Auf der Homepage von Syltfunk Söl’ring Radio findet ihr ebenfalls Informationen.

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung. Die Naturschutzgemeinschaft Sylt sind von Montag bis Freitag unter Tel. 04651-44421 und die Sylter Werkstätten unter Tel. 8863700 erreichbar.

 

Naturschutzgemeinschaft Sylt

67,6 Prozent gingen nicht zur Wahl beim Hallen-Entscheid

Die Hallen 25 und 28 bleiben stehen. Das ist das Ergebnis des gestrigen Bürgerentscheids

Schrotthalle auf dem Fliegerhorst

Halle aus dem 2. Weltkrieg auf dem Fliegerhorst

(s. Statistik). Von den 12824 Wahlberechtigten hatten 67,6 Prozent keine Meinung oder keine Gelegenheit, zu diesem Thema abzustimmen. Erstaunlich, denn der „Wahlkampf“ wurde mit einer erheblichen „Materialschlacht“ geführt, wie sie selbst bei Kommunalwahlen auf Sylt bislang kaum erlebt wurde. Das „Material“ zeigte sich vor allem in Großanzeigen, Plakaten, Zeitungsbeilagen und Flyern der Abrissgegner.  Sie investierten zig-Tausende von Euro in die Werbung für Ihren Standpunkt und hatten damit Erfolg bei ca 25% der Wahlberechtigten. Das reichte aus um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ob die Bereitschaft für die Aufwendung dieser Mittel von Unternehmerseite her allein aus Sympathie für die ehrenamtlichen Hallennutzer geschah, oder auch spekulative Absichten für das Fliegerhorstgelände eine Rolle spielen, wird die Zukunft zeigen.

Die Abrissbefürworter blieben in der Sache und im Wahlkampf recht sparsam beim Einsatz finanzieller Mittel, hatten sie doch ihre Hauptargumentation auf den immensen Kostenfaktor gelegt, den ein Erhalt der Hallen nach sich ziehen würde. Doch die Erwartung, daß vernünftige Sachargumente eine emotional geführte Debatte nennenswert beeinflussen können wurde wie schon so oft bei früheren Entscheidungen auf der Insel enttäuscht.Bürgerentscheid Ergebnis

Nun sind die Abrissgegner am Zug und mit ihnen deren Unterstützer, also vor allem die Sylter Unternehmer und die CDU. Sie müssen jetzt zeigen, ob sie ihre vollmundigen Versprechen aus dem Wahlkampf halten können:
– Bereitstellung funktionstüchtiger Hallen für den Katastrophenschutz mit nur ca. 500 000 Euro Einsatz und ehrenamtlicher Arbeit.

– Abwendung von Zahlungen an die BIMA (ca 400 000 Euro an die Bundesanstalt für Immobilien)

– Ebnung von rechtlichen Hürden zur Weiterverwendung der bislang illegal genutzen und denkmalgeschützten Hallen  im Aussenbereich

Die Abriss-befürwortenden Parteien sind aufgerufen die kommenden Entwicklungen in dem Gebiet genau zu beobachten und sicherzustellen, daß über die Nutzbarmachung der Hallen keine weiteren Begehrlichkeiten durchgesetzt werden, wie beispielsweise eine Änderung der Flächennutzungsplanung, um weitere Gebäude in dem naturgeschützten Areal zu erreichten. Das sind sie den knapp 1000 Wählern schuldig, die für einen Abriss gestimmt haben.

Lothar Koch

Flugplatzhalle darf nicht genutzt werden– die Posse geht weiter!

Westerland, Juni 2019 :“Im Rathaus wiederholte der Gemeinderat zum vierundneunzigsten Mal eine Abstimmung über die Frage, ob eine marode Halle aus dem zweiten Weltkrieg abgerissen oder saniert werden solle. Jedesmal musste der Bürgervorsteher einzelne Fraktionsmitglieder wecken, die am ovalen Tisch der Inselvertreter eingeschlafen waren, jedesmal wiederholte er anhand eines Bebauungsplanes das Für und Wider, jedesmal gab es danach kontroverse Diskussionen. Das ganze Spektakel dauerte die Nacht hindurch, bis alle in einen ziemlich erschöpften Tiefschlaf fielen.“ Auszug aus Syltopia, die Doku-Fantasy von Lothar Koch

"Nazihalle" 28

„Nazihalle“ 28

 

Wird es tatsächlich so weitergehen, wie ich im vergangenen Jahr in meinem Roman SYLTOPIA prophezeit habe? Die Posse um die Wehrmachtshallen 25 und 28 auf dem ehemaligen Fliegerhorst-gelände läuft nun schon seit Jahren– und kein Ende in Sicht. In diesen Wochen kulminiert das ganze Thema.

Zur Erinnerung: Vor etlichen Jahren beschloß der Gemeinderat Sylts den Abriss der Hallen, weil seit der Aufgabe der militärischen Nutzung keine rechtliche Grundlage mehr für den Betrieb und Erhalt der Hallen existiert. Dafür sollte das Gelände, das zur Nazizeit teilweise enteignet und militärisch überbaut wurde und einen 200 Jahre alten Wald beherbergt renaturiert werden. Bei Nichterfüllung des Renaurierungs-Vertrages mit dem Bund, der das Gelände der Gemeinde überließ, fallen rund 200.000 Euro Rückzahlungen pro Halle an die zuständige Bundesanstalt BIMA an.

„Wir sehen im Abriss der Hallen eine letzte Chance, der Insel ohne wesentliche Nachteile eine relativ großes Stück Natur zurückzugeben, das dauerhaft vor Spekulation geschützt wäre.“ sagt Roland Klockenhoff von den Grünen. Es könnte zu einem neuen Naherholungsgebiet für Mensch und Natur gestaltet werden, zum Beispiel als „Wilde Weide“.

Lornsenhain- ältester Wald der Insel aus dem 19 Jahrhundert

Lornsenhain- zweitältester Wald der Insel aus dem Jahre 1821

Gegen diese Pläne macht seit über einem Jahr eine Bürgerinitiative und die Fraktion „Zukunft Sylt“ mobil. Die Initiative will die Hallen für den Kastastophenschutz sichern. Hintergrund ist eine hinlänglich geduldete, letztendlich aber über Jahre illegale Nutzung der Hallen durch ehrenamtliche Verbände wie die Feuerwehr und das DRK. Derzeit nutzen ehrenamtlichen Katastrophenschützer die Halle 28 als Materiallager und Fuhrpark für ihre Fahrzeuge. Obwohl die Gemeinde den Rettungskräften den Neubau einer Halle am Flughafen avisiert hat, die mit rund 500.000 Euro veranschlagt wird, will die Initiative an den Wehrmachtshallen festhalten. Für deren Restaurierung veranschlagt die Gemeinde Sylt nach gutachterlicher Stellungnahme 4,9 Millionen Euro. Erschwerend kommt hinzu, daß die Hallen aus relativ unerfindlichen Gründen vor einigen Jahren auf die Liste denkmalgeschützter Gebäude Nordfrieslands gerutscht waren. Dieser Umstand bedeutet, daß Bund, Land und Kreis sich mit verschiedenen Forderungen gegenseitig blockieren. Der Bund und  Land wollen Abriss und Denaturierung, der Kreis hingegen Denkmalschutz. Der ehemalige Beschluss der Gemeinde pro Abriss ist innerhalb der Fraktionen und auch zwischen den Inselgemeinden wohl vor allem aus wahltaktischen Gründen inzwischen erneut zum Zankapfel geworden.

Die Bürgerinitiative setze in diesem Frühjahr durch das Sammeln von ausreichend Stimmen in der Gemeinde einen Bürgerentscheid durch, der am 12. Juni 2016 das Schicksal der Hallen klären soll. Die Bürger der Gemeinde können dann direkt pro oder contra Abriss abstimmen.

Heute kam dann der Paukenschlag aus der Bauaufsichtsbehörde des Kreises Nordfriesland: Mit einer Androhung von 500.000 Euro Bußgeld bei Verzögerung des angeordneten Sofortvollzuges, schickte die Behörde eine Nutzungsuntersagung der Halle 28. Die Halle sei aus Gründen der Baufälligkeit und des mangelnden Brand- und Elektroschutzes eine Gefahr für Leib und Leben und müsse unverzüglich von den Fahrzeugen des DRKs, der Feuerwehr und weiteren Gegenständen geräumt werden.

Es könnte also tatsächlich passieren, daß Sylt nach einem (teuren) Bürgerentscheid, der sich für den Erhalt der Hallen ausspricht zwei baufällige Gebäude besitzt, die mit hohen Kosten im Sinne des Denkmalschutzes von der Gemeinde restauriert werden müssen und dann nicht genutzt werden dürfen. Zusätzlich darf die Gemeinde dann noch rund 400.000 Euro Rückzahlungen an den Bund leisten. Kosten und Posse ohne Ende?
Syltopia, ick hör Dir trapsen!

 

Lothar Koch