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Sylter Land zurück in Sylter Hand- BIMA überreicht Schenkungsurkunde

Fünenheide im Listland

Dünenheide im Listland

Es ist bereits die zweite Tranche an Sylter Ländereien in den Dünen, die die Bundesanstalt für Immobilien (BIMA) heute feierlich dem Landschaftszweckverband Sylt (LZV) zur weiteren Verantwortung übergab. Vorsitzer Manfred Ueckermann nahm die Urkunde für die Gemeinden der Insel und im Beisein zahlreicher BürgermeisterInnen von Johannes Paul Dietz aus dem Vorstand der BIMA entgegen.

Amtsrunde bei der Schenkungsübergabe Nationales Naturerbe

Amtsrunde bei der Schenkungsübergabe Nationales Naturerbe

Staatssekretär Ingbert Liebing, einst Bürgermeister von Sylt Ost, erläuterte das Verfahren, das massgeblich auf seine Initiative als Bundestagsabgeordneter zurückging.

„Mit der heutigen Schenkung, geht ein Kapitel zu Ende, das bereits im Deutschen Reich begann“, sagte Ingbert Liebing. Damals, als die Nazis die Insel zur Festung ausbauten, integrierten sie große Dünenflächen in den Besitz des Reiches. Diese Ländereien gingen später in Bundeseigentum über. Bereits 2011 wurden seitens der BIMA große Teile der Rantumer Dünen (330 ha) an den LZV übergeben. Heute erfolgte die Abtretung von Flächen im Listland. Dazu zählen beispielsweise Dünenbereiche beim ehemaligen Bundeswehrschiessplatz in List und nahe der Weststrandhalle. Insgesamt wurden heute 183 ha Dünenlandschaft zurück in die Hände der Sylter Gemeinden gelegt.

Diese Gebiete stehen alle bereits unter Naturschutz und zählen nun zum Nationalen Naturerbe Sylt, dessen Fläche auf der Insel jetzt 5% ausmacht. Das bedeutet also, dass diese Dünen, wie bisher, nicht bebaut oder wirtschaftlich genutzt werden dürfen. Im Gegenteil: „Es geht darum diese Heiden mit dem Naturschutz weiterzuentwickeln“, sagte Manfred Ueckermann und ergänzte: „Ziel soll es sein, Sylt lebenswert zu erhalten.“

von links: Liebling, Uekermann, Dietz

von links: Liebing, Uekermann, Dietz

Neben der Ehre, Verantwortung für die wertvollen Dünenheiden zu tragen, besteht jetzt eine viel bessere Möglichkeit diese Bereiche sinnvoll zu schützen, erläuterte Ingberg Liebing: „In der Vergangenheit hatte die BIMA immer mal wieder kleinere Flächen an Privatpersonen verkauft, die dann nicht einsehen wollten, dass sie auf ihrem Grund weder bauen, noch einen Strandkorb stellen dürfen“. Ein Verkauf ist nun ausgeschlossen, die Gemeinden selbst können nun Managementpläne entwickeln. Das alles jedoch wie bisher, nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde von Kreis und Land.

Roland Klockenhoff von der Naturschutzgemeinschaft Sylt bemerkte kritisch in Richtung BIMA: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ Es sei schon bemerkenswert, dass die BIMA über Jahrzehnte nach Höchst-Marktpreisen Häuser auf Sylt verscherbelte und nun „grosszügig“ auf Flächen verzichtet, die eh nicht bebaut werden dürfen und zum Teil noch Altlasten bergen, für die nun die Gemeinden zuständig sind.

In diesem Zusammenhang erwähnte Manfred Uekermann, dass die aktuellen Gespräche mit der BIMA nun hoffen lassen, restliche Gebäude und Flächen, die innerorts noch auf Sylt in deren Händen lägen, in sozialere Bestimmungen übergehen zu lassen, als bisher.

Lothar Koch

Klimawandel wird das Bild unserer Insel verändern

Passend zum letzten Blogartikel „Trockenheit macht Dünenheide zu schaffen“ wurde mir eine wissenschaftliche Arbeit zugesandt, aus der ich hier zitiere. Dr. Metzing, ein Kenner der Küste und Botaniker beim Bundesnaturschutzamt hat sie vor einigen Jahren an der Uni Oldenburg veröffentlicht.

absterbende Krähenbeerenheide in den Sylter Dünen/sommer 2018

absterbende Krähenbeerenheide in den Sylter Dünen/sommer 2018

K4Detail

Krähenbeerenfrüchte vertrocknen an den Heidestengeln

Dr. Metzing macht darauf aufmerksam, dass die Erderwärmung nicht nur durch den steigenden Meeresspiegel Folgen für die Wattenmeerküste haben wird. Die steigenden Temperaturen werden auch die Vegetation der Inseln sichtbar verändern. Man stelle sich die Dünenlandschaft Sylts vor, ohne das Tannengrün der Krähenbeerenheide (Empetrum nigrum). Genau das könnte flächenhaft aber schon in 30-40 Jahren wahr werden, denn diese Pflanzenart reagiert auf eine Erhöhung der Erderwärmung um 2-2,5 Grad mit Rückzug nach Norden, da sie hier auf den Inseln bereits ihre südliche Verbreitungsgrenze hat. Rückzug heisst nichts anderes, als dass die Bestände absterben werden, so wie es in diesem trockenen Sommer an den Rändern bereits zu beobachten ist, und die Art dort im kommenden Jahr nicht wieder kommt. Ein ähnliches Szenario ist für den Strandroggen (Leymus arenarius) zu erwarten, der ja zum Teil auch eine Bedeutung für den Küsten-und Dünenschutz hat. Auch die Strandplatterbse (Lathyrus japonicus) wird betroffen sein, die als Leguminose Nährstoffe in den Boden abgibt.

vertrocknete Strandplatterbese bei K4-Dünen

vertrocknete Strandplatterbese bei K4-Dünen

Insgesamt überprüfte Metzing 213 Pflanzenarten der Küste auf ihre Sensibilität gegenüber des prognostizierten Klimawandels. Etwa ein Viertel der untersuchten Wattenmeer-Pflanzen-Arten sind anfällig für ein Abwandern wegen der steigenden Durchschnittstemperaturen um 1-2,5 Grad. Laut Metzing wird das die Zusammensetzung und Vielfalt unserer Küstenvegetation deutlich verändern. Einige Arten werden ganz verloren gehen, einige werden aus dem Gebiet nach Norden abwandern und etliche neue Arten von Südwesten her zuwandern. Dazu rechnet Metzing beispielsweise den gelben Hornmohn, den Meerfenchel und die Strandwolfsmilch in sandigen Bereichen der Dünen, oder die graue Glockenheide in den heutigen Arealen der Krähenbeere.

Die Veränderungen der Pflanzengesellschaften werden wiederum Auswirkungen auf die Tierwelt haben. Fallen beispielsweise die Früchte der Krähenbeere weg, werden die Vogelarten, die diese jetzt nutzen, wie zB. Regenbrachvögel und Stare die Dünen weniger aufsuchen. Die Zusammensetzung des Pflanzenkleides dürfte auch einen grossen Einfluss auf die Insektenfauna der Dünen mit sich bringen.

Lothar Koch

Ich habe aus dieser Arbeit zitiert: Global warming changes the terrestrial flora of the Wadden Sea
von Detlev Metzing, Institute of Biology and Environmental Sciences, University of Oldenburg,

 

Trockenheit macht Dünenheide zu schaffen

Rosa Rugosa am vertrocknen

Rosa Rugosa am vertrocknen

Zuerst litten standortfremde Bäume und Rasenflächen auf Sylt unter der Trockenheit. Leuchtet in normalen Sommern der Nössedeich zwischen Tinnum und Morsum in sattem Grün zieht sich dort nach rund vier Monaten Dauersonne ohne nennenswerte Niederschläge ein rotbraunes Gras-Band, auf dem Schafe meist vergeblich nach Fressbarem suchen .In den Dörfern zeigen schon seit Juli etliche Laubbäume nur noch vetrocknete Blätter.

Nun beginnt es jedoch auch für die Dünenvegetation kritisch zu werden, die ja bekanntlich Einiges gewohnt ist: Salz-und Sandstrahlgebläse, Nährstoffarmut und auch Trockenheit sind typische Bedingungen in diesen meernahen Biotopen. Die Heidegewächse haben nur kurze Wurzeln, die nicht ans Grundwasser reichen und daher sind sie darauf angewiesen, dass ihre Rohhumusschicht durch Regenwasser befeuchtet wird.

Meine Bilder zeigen jedoch: Nach der, als besonders widerstandsfähig bekannten Sylt-Rose (Rosa Rugosa), die als Fremdart in die Dünen eingedrungen ist, beginnt nun auch die heimische Krähenbeere zu schwächeln. Besonders an ostwärts gerichteten Dünenkuppen zeigen sich rostbraune Flächen in der sonst tannengrünen Heide. Es ist der heisse Ostwind, der den geschützten Pflanzen, die in der Fläche auch als 1000jährige Heide bezeichnet werden, nun den Rest gibt.

Krähenbeerenheide stirbt flächenhaft ab

Krähenbeerenheide stirbt flächenhaft ab

Müssen wir uns deswegen Sorgen machen? Ich meine nicht. Dürreperioden gehören zum Naturhaushalt und die Dünenheide ist recht überaltert und wegen der jahrelangen Statik, die der Küstenschutz (teilweise unter dem Deckmantel des Naturschutzes) verordnet (Das Betreten der Dünen ist aus Küstenschutzgründen nicht gestattet), ohnehin mürbe geworden. Ein maßvolles Absterben von Heide-Kleinflächen kann zur notwendigen  Verjüngung der Dünen beitragen. Ähnlich wie es durch das Abbrennen der Braderuper/Morsumer Heide künstlich von Menschenhand initiiert wird, vollzieht hier die Natur selbst diesen Schritt.

Dies darf jedoch nicht mit den Problemen feuchter, anmooriger Dünentäler verwechselt werden, die dauerhaft Kontakt zum Grundwasser halten müssen. Wenn die Grundwasserblase durch zu starke Entnahme seitens der Wasserwerke absinkt und die an stehendes Wasser angepassten Dünenmoorpflanzen keine Feuchtigkeit mehr bekommen, sterben die Raritäten weg und mit ihnen eine besonders schützenswerte Fauna, wie z.B. Moorfrösche und Kreuzkröten. Hie ist eine zunehmnde Sorge durchaus angebracht.

Lothar Koch

Schuld ist die Wasserknappheit

Schuld ist mangelnder Niederschlag und heisser Ostwind

Wer darf Sylt das Wasser reichen?Aussagen von EVS und VEN widersprechen sich.

Wie sicher ist eine ökologisch vertretbare Trinkwasserversorgung auf Sylt  in Zukunft? Naturschützer warnen vor Übernutzung.
Wasserversorger irritieren mit krass gegensätzlichen Verlautbarungen.

Im Sommer 2017 warnte die EVS in einer offiziellen Antwort auf eine Anfrage der Grünen (und weiterer Parteien) an die Gemeinde Sylt noch, dass die Wasserversorgung in fünf Jahren mit den bestehenden Brunnen knapp werden könnte. Erst vor wenigen Monaten bestätigte der Leiter der EVS noch diese Haltung, ja machte sie dringlicher, in einem Referat bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt(s. folgenden Artikel).
In den vergangenen Wochen rund um die Kommunalwahl erschienen in der Sylter Rundschau jedoch plötzlich eine Stellungnahme und ein Artikel in denen EVS und VEN (Wasserversorger der Norddörfer) derlei Befürchtungen weit von sich wiesen und die Naturschützer der Panikmache bezichtigten.Der Leiter der VEN sprach gar von traumhaften Bedingungen beim Sylter Trinkwasser. Einer Bitte an die Sylter Rundschau, diese Diskrepanz durch sorgfältige, journalistische Recherche aufzuklären, wurde bislang nicht nachgekommen. Das macht die Angelegenheit für den Bürger eigentlich nur noch bedrohlicher: Inwieweit können wir Aussagen dieser Firmen, die eine unserer wichtigesten Ressource verwalten noch trauen und wer kümmert sich noch engagiert um die objektive Bewertung von Informationen?*

*Nachtrag vom 13.6.:Die Rundschau berichtet nun: SHZ-Artikel zum Thema

Dünenheide im NSG Hörnum Odde

Empfindliche Dünenheide. Flora und Fauna braucht einen hohen Grundwasserspiegel.

Hier der Bericht aus dem Vortrag der EVS bei der  Naturschutzgemeinschaft:

Im Frühjahr lud die Naturschutzgemeinschaft Sylt in Braderup zu einer Vorstandssitzung den Leiter der EVS, Georg Wember und seinen Trinkwasser-Experten Karl Dettmer ein, um etwas über den Stand der Trinkwasserversorgung auf Sylt zu erfahren. Die Nutzung des Süßwasserreservoirs unter der Insel ist nicht nur lebenswichtig für alle Bürger, sondern auch von ökologischer Bedeutung für Tiere und Pflanzen in Heiden und Dünen, da diese von anstehendem Grundwasser direkt abhängig sind.

Warnungen aus der Grundwasserblase
Die beiden Experten erläuterten anhand von Grafiken die aktuelle und zukünftige Versorgungslage der Insel mit Trinkwasser, das aus 16 Brunnen der EVS gefördert wird und einigen weiteren der VEN (Versorger der Norddörfer).

Die Warnungen, die sich aus dem Vortrag ableiten liessen, waren nicht zu überhören: So führte Herr Dettmer aus: “ Die Wasserversorgung auf Sylt ist auf Dauer nicht gewährleistet, da sich jederzeit Probleme ereignen können, die zur Schliessung von Brunnen beitragen könnten“. Dazu gehören Salzwassereinbruch, Schadstoffbelastung, besonders im Hauptbrunnenfeld unter dem Flughafenareal und aktuell, die Verseuchung des Bodens mit Chlorkohlenwasserstoffen aus einer ehemaligen Reinigung in Westerland. Wegen letzterer sind derzeit bereits Brunnen in ihrer Leistung deutlich heruntergefahren, um die Gifte nicht ins Trinkwasser zu ziehen. Im Bereich des Fliegerhorstes ist mit zahlreichen Altlasten aus dem Krieg und Flugbetrieb der vergangenen achtzig Jahre zu rechnen, die besonders mobilisiert werden könnten, wenn nun, wie bereits geschehen und weiter geplant, Flächen entsiegelt werden (Abriss alter Gebäude und Betonflächen). Das alles ist besonders relevant, weil die Experten ausführten, dass derzeit weniger als 20% Brunnenreserve vorhanden ist, um im Notfall auszugleichen.

Immer mehr Menschen verbrauchen Wasser auf Sylt
Die Verbrauchszahlen an Trinkwasser steigen von Jahr zu Jahr mit steigenden Menschenmassen auf der Insel. Die Personenzahl die sich an Spitzentagen auf der Insel aufhält, beläuft sich nach den Berechnungen der EVS auf 207.500 Menschen die maximal 12.700 qm Wasser pro Tag allein im EVS -Versorgungsgebiet verbrauchen. Die reale Zahl läge auf der gesamten Insel vermutlich noch höher, möglicherweise bei 230 000 Menschen, so Dettmer.

Dass die Sylter Wasserversorgung mit den bestehenden Brunnen und „wenn keine weiteren Hotelbauten hinzukommen“(EVS) nur noch für etwa 5 Jahre gewährleistet sei, hatte die EVS im vergangenen Sommer bereits auf eine Anfrage der Grünen im Umweltausschuss bekannt gegeben. In deren Antwort hiess es, dass seit 2013 die Trinkwasserförderung auf der Insel um fast 230 000 m3/Jahr angestiegen sei. Bis 2019 rechne die EVS mit einem Anstieg um knapp 400 000 m3/Jahr auf 2.500 000 qm. Die technischen Möglichkeiten der Wasserentnahme werden von der EVS auf 2,8 Millionen m3/Jahr geschätzt, wenn alle 16 verfügbaren Brunnen voll betriebsbereit sind.
Und, so Wember und Dettmer unisono,: „Es gibt weit und breit, keine „Nachbarn“ die der Insel Trinkwasser in den erforderlichen Mengen liefern könnten, auch nicht am Festland“. Die Folge wäre also die weitere Exploration von Brunnenfeldern, die in der Dünenlandschaft des NSG Nordsylt/Listland vorgenommen werden müssten.

Ökosystem Dünenheide in Gefahr
Laut Dr. Roland Klockenhoff, dem Vorsitzer der Naturschutzgemeinschaft Sylt, könnte sich das jedoch fatal auf zahlreiche geschützte Pflanzen- und Amphibienarten in der Sylter Dünenlandschaft auswirken und letztlich auch für die Sylter EinwohnerInnen. Die Gefährdung der Wasserversorgung mit den existierenden Brunnen sei auch eine Folge des unbegrenzten Baubooms unter einer fragwürdigen Wachstumsphilosophie der Tourismusindustrie, so Klockenhoff. Letztes Beispiel dafür sei die Genehmigung eines weiteren Großverbrauchers in List, der Hotelanlage Lanserhof.

Laut Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer ist Sylt  einer der

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental bei Rantum

Laichgebiet von seltenen Kreuzkröten: Nasses Dünental

wichtigsten natürlichen Lebensräume der Kreuzkröte in Deutschland. Deutschland ist nach EU-Recht verpflichtet, die Kreuzkröte zu erhalten.
„Die Frage ist daher nicht, ob man den Krötenbestand weiter schwächt, indem man Wasser aus den Dünen pumpt. Die Frage muss vielmehr sein, wie man die
Lebensbedingungen der Kröten im Listland verbessert“, so Borcherding.

Wasserentnahmen sind nach Landes-, Bundes- und Europarecht im Listland
heutzutage unzulässig, da auch die Pflanzen und Tiere der feuchten
Dünentäler höchstgradig selten und gefährdet sind. Es ist daher
vorstellbar, dass sogar die EU-Umweltverwaltung an einer Wasserentnahme im
Listland Anstoß nehmen und einschreiten würde. Auch Naturschutzverbände wären bereit, Klage einzureichen.

Auf die Frage eines Vorstandsmitgliedes der NSG an die beiden Herren der EVS, inwieweit sie diese Warnungen denn auch mit Nachdruck öffentlich machen würden, antwortete EVS Leiter Wember, dass das nicht die Aufgabe der EVS sei. Die Aufgabe der EVS sei einzig und allein die stetige Gewährleistung der Trinkwasserversorgung. Um die Interpretation der Zahlen, die die EVS ermittelt und die politische Implementierung von Massnahmen,  müssten sich andere kümmern.

 

Lothar Koch

 

Die Sylter Heide blüht!

 

blühende Krähenbeerenheide

blühende Krähenbeerenheide

IMG_1846 IMG_1848Was? die Sylter Heide blüht? Kann das sein? Zur Zeit sind doch alle Augen bewundernd auf die Vorgärten gerichtet, wo der Frühling endlich mit den gelb leuchtenden Osterglocken daherkommt. Blühende Heide erwarten die meisten doch erst so richtig im Juli.

Und doch es stimmt: Was blüht ist jedoch nicht die Glocken-oder Besenheide, die im Spätsommer die Dünen mit einem kräftigen Rosa überziehen, sondern die Krähenbeerenheide (Empetrum nigrum). Dieser meist tannengrüne Zwergstrauch von bis zu 50 cm Höhe überzieht den Großteil der Sylter Dünen. Über den Winter liegt die atlantische Heide schwarz-braun über der Landschaft.

Das was dem schnellen Autofahrer verborgen bleibt, können Wanderer und Radler jetzt entdecken. Die welk-braune Farbe hat sich in vielen Flächen in ein Auberginen-Violett oder Purpur verwandelt. Wer ganz genau hinschaut sieht dann die purpurnen Staubgefässe auf ca. 1 cm langen Stängeln die kleinen grünen Blättchen überragen. Krähenbeeren sind in der Regel zweihäusig. Eine Pflanze hat nur Stempel und eine andere nur pollentragende Staubgefässe. Bienen, Fliegen und Wind sorgen dafür, dass der Blütenstaub zu den stempeltragenden weitergetragen wird, um später Samen zu bilden und schliesslich schwarze fruchtige Krähenbeeren hervorzubringen. Bewegt man jetzt die Pflanze, kann man auch kleine Blütenstaub-Wolken sehen.

Die Krähenbeerenheide ist im Verbund mit Besenheide das natürliche Ende der Pflanzenentwicklung in den Sylter Dünen. Sie schafft es bei den widrigen Bedingungen (viel Wind, wenig Nährstoffe) auf dem Quarzsand zu siedeln und bis zu 80 Jahre alt zu werden. Leider ist sie trittempfindlich. Ein paarmal darübergelatscht stirbt sie schnell ab.

 

Lothar Koch